Ali und Erwin gewinnen im ZEIT-Internet-Literaturwettbewerb



"Ali", sagte Erwin, "die ZEIT ist jetzt im Internet."

"Und was?" sagte Ali, "wie spät ist es?"

"Die Zeitung", sagte Erwin geduldig, "die Zeitung meine ich, die sind im Internet. Man kann da einen Wettbewerb gewinnen."

"Die Zeitung, sags doch gleich." sagte Ali. "Was soll ich mit einem Wettbewerb? Gibt's keinen Staubsauger oder eine Bohrmaschine? Ich hab da von Sachen gehört, die man mit Bohrmaschinen... oder war das mit Staubsaugern... Moment..."

"Halt die Klappe, Ali" sagte Erwin. Er klickte schnell hintereinander auf Kaffee, Milch und Dosenfisch. Der Kaffee kam nur zur Hälfte an und auch nicht in die Tasse. "Maybe the milk has expired" leuchtete in müden roten Lettern auf. Vom Dosenfisch war gar nicht erst die Rede. Erwin schlug ein bißchen auf Tisch und Wände ein.

"Der Kaffee klemmt da irgendwo" sagte er mißmutig. "Man kann zehntausend Mark gewinnen in dem Wettbewerb. Wir könnten neuen Dosenfisch installieren."

"Zehntausend Mark?" sagte Ali lebhaft. "Was muß ich machen?"

"Vergiß es." sagte Erwin. "Erst mal müßtest du nicht immer nur sagen und fragen, du müßtest einwenden, einwerfen, ausrufen, zugeben, feststellen, entgegnen und berichten können"

"Hä?" sagte Ali. "Was?"

"Siehst du." sagte Erwin. "Und dann geht's erst richtig los. Kein Schweinkram. Pfoten weg vom Mädcheninternet. Du müßtest dich waschen, und ich meine richtig waschen, nicht immer nur in den virtuellen Whirlpool zusammen mit den Mädels aus YPS mit CD-Rom."

Ali kratzte sich am Sack. "Äh," sagte er, "naja für zehntausend Schleifen..."

Erwin klickte resigniert in den Kartoffelchipskrümeln vom Frühstück herum. "Probleme bräuchten wir, Sorgen, solches Zeug, und wir müßten uns Gedanken machen..."

"Gedanken," sagte Ali, "kein Problem, da war im letzten YPS..."

"Nein," sagte Erwin, "richtige, über Frauen und Ausländer und so. Wir müßten rausgehen. Oder glaubst du, die wollen uns hier vor der interaktiven Lindenstraße sitzen sehen?"
"Pff," sagte Ali, "ich hab da zum Beispiel eine Idee, mit Gabi, könnte dir gefallen."

Erwin verdrehte die Augen. "Rausgehen, nach draußen", sagte er. "Ohne alles. Fußgängerzone von Mannheim oder Goa oder so. Zug fahren ist auch immer gut. Damit hätten wir Chancen." Er ordnete die Chipskrümel zu einer amöbenartigen Figur. "Sich waschen, bißchen Intercity fahren und über die deutsche Geschichte nachdenken. Glaubst du, du schaffst das?"

Die Amöbe begann sich zu bewegen und lutschte die Kaffeepfützen, zwei leere Dosen und den halben Tisch auf. "He, hast du auf was gedrückt?" sagte er zu Ali.

"Nö", sagte Ali, "ist ein Fehler. Das geht schon die ganze Woche so. Gefälschte Kartoffelchips aus Billiglohnländern."

Weiter in Planung: Erwin hat sein Paßwort für die Deutsche Bahn vergessen. Stattdessen werden Amöben mißbraucht (Tierporno!). Ali und Erwin gewinnen doch nicht im ZEIT-Literaturwettbewerb.